Freie Träger am Limit: Es geht um unsere Existenz!

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Am 8. November 2023 gingen in Berlin über 4000 Menschen mit unzähligen Plakaten, für ein und dieselbe Sache auf die Straße.

Die Gründe dafür sind schwerwiegend und erschreckend zugleich, weil es um dramatische Kürzungen im vorgelegten Haushaltsentwurf des Senats geht.

In einer gemeinsamen Resolution unter dem Motto „Sozialstaat und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern – Keine Kürzungen im Bundeshaushalt für Soziales, Gesundheit und Bildung“ setzten und setzen sich die Einrichtungen der Berliner Caritas, das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg, der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, die AWO, das Deutsche Rote Kreuz, INTEGRAL, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) für dieses Ziel ein.

Es braucht ohne Frage eine verlässliche, dauerhafte und realistische Finanzierung der Freien Träger in Berlin und ein Ende ihrer Ungleichbehandlung!

Alle Träger fordern eine langfristige, für ihren Lebenserhalt ausreichende Finanzierung. Denn das wäre ein starkes soziales Berlin!

El Mundos de los Niños ist einer dieser Freien Träger in Berlin 

Es ist kaum zu glauben, dass es in diesem Land, im Jahre 2023 eine Demonstration braucht, um Gerechtigkeit für gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit zwischen den staatlichen und den Freien Träger einzufordern!

Auf dem Papier sieht es natürlich fein aus. Es gibt eine Erhöhung für die monatlich gestiegenen Sachkosten. Um zu verstehen, das dass bei Weitem nicht die real gestiegenen Kosten abdeckt, braucht es keinen BWL-Abschluss.

Auch der Personalschlüssel deckt nicht die realen Kosten der Krankheitsfälle ab, zu deren Ausgleich wir zusätzliche Fachkräfte unbedingt brauchen und bezahlen.

Wieso gibt es überhaupt Unterschiede bei der Bezahlung von zB. staatlicher Erzieherinnen und Erziehern und denen, die dieselbe anspruchsvolle Arbeit unter freier Trägerschaft  leisten? Die Ausbildung mit Staatsexamen war ja auch dieselbe.

Viele Beschäftigte der freien Träger haben den Eindruck, dass dem Land Berlin seine Angestellten mehr wert sind. Das zeigt sich in der Hauptstadtzulage, dem Inflationsausgleich und der Erhöhung der Tarifgehälter um 10 Prozent. Bislang ist nicht vorgesehen, dass die freien Träger vom Land Berlin Geld erhalten, um ihre Mitarbeitenden gleichwertig entlohnen zu können. Problematisch für die freien Träger ist zudem die seit vielen Jahren geübte Praxis des Zuwendungssystems. So werden Mietsteigerungen nicht automatisch übernommen, muss ein Eigenanteil von fünf Prozent erbracht werden, sind viele Zuschüsse in Form von Projektunterstützungen zeitlich befristet. Unterm Strich fehlt eine nachhaltige und verlässliche Finanzierung.

Die Einsparungen „… sind nicht zukunftsgerecht, sondern wirtschaftlich und sozial schädlich“, heißt es in der Resolution der Organisation.

Wir sind nicht allein

Der 8.11. zeigte: Wir sind nicht allein. Freie Träger leisten eine unverzichtbare Arbeit in allen erdenklichen sozialen Bereichen, nicht nur in Kitas und Schulen.

Gemeinsam zeigten die Frauen und Männer auf der Straße, was sie für die Menschen in Berlin leisten. Von Obdachloseneinrichtung bis Krankenhaus, von Kita bis Jugendhilfeeinrichtung, von Beratungsstelle bis Werkstatt für Menschen mit Behinderung, von mobilem Pflegedienst bis Hospiz.

Sie machten deutlich, dass sich Ungleichbehandlung gegenüber staatlichen Trägern und faktische Kürzungen durch unzureichende Finanzierung von Sach- und Personalkosten auf alle sozialen Arbeitsbereiche auswirken.

Die fehlende Wertschätzung der Freien Träger durch den Berliner Senat ist ein wahres Armutszeugnis.

„Wir brauchen eine anständige Refinanzierung für die Arbeit, die Sie jeden Tag leisten. Punkt. Aus.″, ruft Prof. Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Berlin in das Mikrophon.


veröffentlicht von
Olaf Thaler
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