Wasser ist Leben

Kann sich eine Trommel in eine Schildkröte verwandeln? Kann ein Instrument wie ein kleiner Frosch klingen? Und kann aus einem Kita-Raum plötzlich eine Unterwasserwelt werden?

Einige Wochen lang lautete die Antwort darauf: Ja!

In unseren Kitas von El Mundo de los Niños bewegten sich kleine Hände wie Wellen, Kinder „tauchten“ zwischen bunten Fischen hindurch und ein großes Schwungtuch schwebte wie eine riesige Qualle über ihren Köpfen.

Es war unser Musikprojekt „Wasser ist Leben“ – eine besondere Reise, bei der Musik, Bewegung, Kreativität und Natur auf einzigartige Weise zusammenkamen.

Eine Idee, die mit einer Frage begann

Das Projekt entstand aus der engen Zusammenarbeit von Veronica und Myriam, den beiden pädagogischen Fachkräften der Sternengruppe in der Kita El Mundo de los Niños am Jungfernstieg 4c, und Wilheln Ulloa, Musikpädagoge bei El Mundo de los Niños. Ausgangspunkt waren die Erlebnisse, Fragen und Interessen der Kinder rund um das Thema Wasser. Daraus entwickelte sich eine gemeinsame Frage:

Wie können wir diese Interessen aufgreifen und daraus eine pädagogische und musikalische Erfahrung entstehen lassen?

Während die pädagogischen Fachkräfte mit den Kindern über Wasser sprachen, bastelten und verschiedene Angebote gestalteten, bekam das Thema in der Musikrunde Klänge, Rhythmen und Bewegung.

Plötzlich waren wir unter Wasser

Die Hände bewegten sich wie Wellen, die Kinder liefen wie Krebse, glitten wie Fische oder bewegten sich wie Kraken.

Dann kam das Schwungtuch ins Spiel.

Über den Köpfen der Kinder verwandelte es sich in eine große Qualle. Darunter entstand eine Unterwasserwelt aus Fischen, Kraken und anderen Meeresbewohnern, die die Kinder im Laufe der Woche gemeinsam mit ihren pädagogischen Fachkräften gestaltet hatten.

Die Bastelarbeiten waren nun nicht mehr nur zum Anschauen da. Sie wurden Teil einer Welt, die die Kinder selbst erkunden konnten.

Sie konnten zwischen ihren eigenen Fischen „tauchen“, Meeresbewohner entdecken und sich durch einen Ozean bewegen, den sie selbst mitgestaltet hatten.

Was für die Kinder Spiel war, bot zugleich viele Lerngelegenheiten: zuhören, Rhythmen wahrnehmen, Bewegungen koordinieren, warten, Rücksicht nehmen und sich mit dem ganzen Körper ausdrücken.

Musikpädagogische Ansätze von Gunild Keetman und Émile Jaques-Dalcroze greifen genau dieses aktive Erleben auf: Kinder lernen Musik nicht nur durch Zuhören, sondern auch durch Singen, Bewegung, Spiel, Ausprobieren und Improvisieren.

„Warum ist Wasser wichtig?“

Das Projekt schuf auch Raum für Gespräche.

Eine Frage begleitete uns immer wieder:

Warum ist Wasser eigentlich so wichtig?

Die Antworten kamen ganz selbstverständlich von den Kindern selbst:

— Zum Händewaschen.
— Zum Trinken und Duschen.
— Haie und Wale brauchen Wasser.
— Wenn ich Schluckauf habe, trinke ich Wasser.
— Wir brauchen Wasser, um Nudeln zu kochen.
— Auch die Toilette braucht Wasser!

Aus diesen kleinen Beobachtungen entstand nach und nach eine große Erkenntnis:

Ohne Wasser können wir nicht leben.

Die Blaue Schildkröte

Ein besonderer Höhepunkt des Projekts war die Blaue Schildkröte.

Eigentlich war sie eine große runde blaue Zungentrommel mit weichen, tiefen Klängen. Für die Kinder wurde sie jedoch schnell zu viel mehr als einem Instrument.

Jedes Kind durfte ihre Klänge entdecken und eine eigene kleine Komposition erfinden.

Es gab keine falschen Töne und keine Melodie, die nachgespielt werden musste. Die Kinder konnten zuhören, ausprobieren und selbst entscheiden, wie ihre Musik klingen sollte.

Danach kam die Frage:

„Wie heißt dein Lied?“

Und so entstanden Titel wie:

„Die unendliche Rose“,
„Die Möwe, die einen Fisch fangen wollte und es nicht geschafft hat“,
„Der goldene Fisch, der eine Pizzeria hat“
oder „Das fliegende Einhorn“.

Genau darin liegt etwas besonders Wertvolles: Kinder wiederholen nicht nur etwas Vorgegebenes, sondern bekommen Raum, eigene musikalische Ideen zu entwickeln.

Eine Idee wächst weiter

Was in der Sternengruppe begann, weckte bald auch das Interesse anderer Gruppen und Kitas von El Mundo de los Niños.

Die pädagogischen Teams brachten eigene Ideen ein. Einige bauten sogar Musikinstrumente in Form von Fröschen.

So wurde unser kleiner Ozean immer größer. Das Projekt zeigte, wie bereichernd es sein kann, wenn verschiedene Bereiche miteinander verbunden werden: Ein Lied kann in einer Bastelarbeit weiterleben, eine Bastelarbeit Teil einer Bewegungslandschaft werden und ein Instrument sich in eine Figur mit eigener Geschichte verwandeln.

Viel mehr als nur Spielen

Wenn ein Kind seine Hände wie Wellen bewegt, zwischen selbst gestalteten Fischen hindurchtaucht oder auf der Blauen Schildkröte eine eigene Musik erfindet, dann spielt es natürlich.

Aber gleichzeitig hört es zu, beobachtet, bewegt sich, kommuniziert, entdeckt und gestaltet selbst.

Vielleicht ist genau das eines der schönsten Geschenke der Musikpädagogik:

Kindern einen Raum zu geben, in dem sie die Welt entdecken können und dabei ganz sie selbst bleiben dürfen.

Denn manchmal braucht es, um zu erfahren, dass Wasser Leben ist, nur ein Lied, ein wenig Fantasie … und die Bereitschaft, gemeinsam einzutauchen.


veröffentlicht von
Veronica Schallnau